john cage

im gedenken an den komponisten john cage (1912 - 92), den musiker der stille, der pause, der betrachtung und des zufalls, seien ihm hier vier "gedichte" gewidmet, die er - hätte er sie "gelesen" - vielleicht in musik umgesetzt hätte.

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gedicht 1: "esche"

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gedicht 2: "heu"

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gedicht 3: "liguster"

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gedicht 4: "weide"

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so langsam wie möglich

john cage hat ein orgelstück geschrieben mit der tempoangabe: "as slow as possible". dieses stück ist nun zu hören in einer  stadt im harz: halberstadt.

dort - übrigens in einer zwischenstation auf dem pilgerweg nach santiago de compostela -  steht die alte, mystisch umwobene burchardikirche:

der anfang vom orgelwerk "As slow as possible" des amerikanischen komponisten john cage (1912-1992) schwingt bereits seit 5. Februar 2003. das längste konzert der welt wird niemand vollständig hören können. ob es jemals bis zum schluss aufgeführt werden wird, weiß keiner. die organisatoren wollen damit zur auseinandersetzung über zeit, raum und musik anregen.

am 5. September 2001 war das projekt mit dem einschalten des orgelmotors und des blasblages in der burchardikirche gestartet worden. danach folgte eine pause von gut anderthalb jahren. damit das ganze für die zuhörer nicht allzu eintönig war, fanden am freitagabend gesprächsrunden und künstlerische darbietungen zu den themen zeit und musik statt.
bis zum juli 2004 sollen die beiden nächsten töne des langsamsten musikstückes der welt gespielt sein. die orgel wird ununterbrochen mit einem luftstrom versorgt. hier der blasebalg:

               

gewichte ziehen die jeweils benötigten tasten des Instruments für die dauer der töne nach unten.

der letzte ton dieses werkes wird erst im jahre 2639 verklingen.

wer noch mehr dazu lesen, sehen und vor allem auch hören will, der klicke hier hin.

für die zurverfügungstellung der schönen fotos bin ich m.haidl dankbar.

 

da

wie diese Stille klingt

was da lebt, atmet, sich bewegt,
knistert, knarrt, summt, schwirrt,
   rauscht, hallt, verhallt
     vibriert, schwingt
       tönt

MUSIK

IHRES LEBENS

(dieter schnebel)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

John Cage mit Kindern

 

Im Musikunterricht wurde mit Kindern die Aufgabe gestellt, ein Lied, das die Kinder kennen, so langsam wie möglich zu musizieren. Das wurde sofort ausprobiert, als dann - verkleidet - John Cage in die Klasse kam, und ständig unterbrach, um zu sagen, dass ihm das immer noch viel zu schnell sei.

Nach mehreren Versuchen, die immer langsamer wurden (der langsamste war 5 Minuten für den ersten Ton des Liedes "Springt der Hirsch übern Bach"), stellte John Cage sein Stück Organ2/ASLSP vor, das er für Klavier komponiert hatte.

Nun versuchten die Kinder auf dem Klavier, den ersten Klang nachzuspielen, beschlossen aber schnell, dass das Klavier für so lange Töne ungeeignet sei, und kamen auf die Orgel.

Jetzt erzählte ich den Kindern, dass nach John Cages Tod sich ein Freundeskreis bildete, der versuchte, das Stück ab dem Jahr 2000 in 639 Jahren nachzuspielen.

Wie die momentanen Töne in Halberstadt gerade klingen, konnte am Keyboard demonstriert und an der Notenpartitur mitverfolgt werden. Auch wie das Stück klang, als die Kinder gerade 3.Geburtstag hatten, im Kindergarten waren oder eingeschult wurden, konnten wir spielen und mit Vergangenheitserzählungen erfahrbar machen.

<weiter zu unserem eigenen Klangstück

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Musizieren wie John Cage

Nun entstand die Idee, doch einmal selbst ein Klangstück zu komponieren, das ähnlich wie Cages Stücke mit experimentellen Tönen und Geräuschen nach Partitur zu spielen sei. Die Hausaufgabe wurde gestellt, am nächsten Tag einen Klang von zu Hause mitzubringen.

Am nächsten Tag hatten die Kinder viele Geräusche mitgebracht, denen die Kinder phantasievolle Namen geben mussten. Sie entschieden sich für:

Stiftreiber - Pokalklang - Rollschuh - Superraschler - Bleistiftroller - Mundpfurzer - Tintenschlag - Tischklopfer - Tonleiter - Entchen-Rap - Linealtischklopfer - Schellenhund - Kistenklang - C-Flöte - Etuihauer - Zumachgeräusch - Ziehharlolika - Löffelklopfer - Pausenflöte - Pipos - Schulifaller - Rasselschieber - Klopfattacke - Altflötengong.

Nun wurde in eine leere Partitur, die aus drei Sätzen bestand (hier konnten gleich nebenbei  klassische Satzbezeichnungen wie Allegro - Adagio - Vivace eingeführt werden), eingetragen, wer in welchem Satz in welchen 10-Sekunden-Einheiten spielen durfte. Jedes Kind durfte sich nur für einen Satz entscheiden, frei blieb aber, wie oft es Pausen setzte. Das ganze Stück bestand aus drei mal sieben 10-Sekunden-Stücken, dazwischen gab es je 30 Sekunden Pause, so dass das ganze Stück genau 4 Minuten und 33 Sekunden musiziert wurde (passend zu Cages Stillestück 4'33'', in dem ein Orchester über die gesamte Länge nur Pausen musiziert und lediglich Raum- und Publikumsgeräusche zu hören sind). Um das Stück nicht zu sehr in die Länge zu ziehen, wurden die Einheiten auf die Hälfte gekürzt.

 Hier sieht man unsere Klangpartitur, und hier kann man sie auch anhören.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Klangpartitur:

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<Partitur hören

Abschließend wurden noch einige interessante Videofilme ( 4'33'' präpariertes Klavier / Experimentieren mit Geräuschen4.7.08 in Halberstadt / Klangwechsel in Halberstadt)von Aufführungen John Cages gezeigt und über den Humor dieses für Kinder sehr motivierenden Künstlers gesprochen.

Eine Schülerin meinte, sie müsse einmal ihre Katze übers Klavier laufen lassen. Das hätte Cage sicher auch gut gefallen. Nachdenklich stellte sie zum Schluss noch die Frage: "Warum wollte eigentlich John Cage, dass man gaaanz langsam spielen muss?"

Eine gaanz langsame Antwort darauf lasse ich nun offen und mache gaaanz schnell Schluss.

 

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etwas über john cage:

 

john cage - pianist und komponist aus los angeles, schüler von arnold schönberg -, inszeniert schon frühzeitig das, was heute "happening" genannt wird. klemmt schrauben, radiergummis und geldstücke zwischen die saiten des flügels und nennt das "präpariertes klavier" (1940). sein bekanntestes werk ist "4‘33" (1952): der pianist kommt auf die bühne, setzt sich – und exakt 4 minuten und 33 sekunden lang erklingt kein einziger ton. auch die geräusche der stille sind musik.

in den fünfziger jahren entdeckt cage den zen-buddhismus für sich. und findet das grundübel der westliche zivilisation: es fehle der 'spirit of acceptance', klagt er. statt die dinge zu nehmen, wie sie kommen, verschwende der mensch seine zeit mit unsinnigem streben.

gestorben ist john cage im jahre 1992.

 

 

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